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08. Mai 2020

Bessere Qualität durch Fruchtbehangs­regulierung im Frühjahr

Befruchtung durch Fremdbestäubung

Um die Fruchtqualität sowie -quantität zu steigern, ist eine Fremdbestäubung durch Bestäubungs¬insekten empfehlenswert. Jegliche weitere kulturführende Maßnahme, wie Schnitt, Düngung oder Pflanzenschutz bringen nicht den Erfolg, wenn nach der Blüte der Fruchtansatz fehlt.

Äpfel sind größtenteils selbststeril, d. h., der Pollen der eigenen Sorte kann nicht für eine Befruchtung herangezogen werden, es braucht also Pollen einer fremden Sorte. Durch den vergleichsweise großen Sortenspiegel auf engstem Raum in Südtirol ist dies größtenteils gegeben.

Es gibt weltweit kein anderes Fluginsekt, das eine annähernd gleich starke Population zu dieser Jahreszeit aufweist wie die Honigbienen. Diese sogenannte Abundanz ist ausschlaggebend für die Bestäubungsleistung.

Zum anderen hat die Honigbiene eine extrem stark ausgeprägte Blütentreue oder Blütenstetigkeit, d. h. ein Bienenvolk fliegt so lange eine Blütenart an, bis diese versiegt ist. Diese Blütenstetigkeit hat bei den Honigbienen eine Ausprägung von 85 Prozent. Zum Vergleich: Das Insekt mit der zweithäufigsten Ausprägung ist die Hummel mit knapp 40 Prozent.

Die Honigbiene trägt ein Haarkleid, das genau die Länge besitzt, dass Pollen gut anhaftet und im Flug nicht verloren geht, aber auch die Stabilität besitzt, dass der Pollen mechanisch in die Narbe gedrückt werden kann. Auch die Mobilität durch den Imker ist ein Pluspunkt für die Honigbiene: Es können so viele Bienenvölker in eine Anlage verbracht werden wie nötig.

Für den Obstbau besonders wichtig ist die Tatsache, dass es für eine gute Befruchtung nicht nur Pollen unterschiedlicher Sorten braucht, sondern dieser Pollen auch keimfähig zur Eizelle kommen muss. Obstkulturen geben keimfähige Pollen in einem Temperaturbereich von 10 bis 19 Grad Celsius ab. Auch hier beeinflussen Honigbienen mit einer besonderen Eigenschaft das Ergebnis positiv, denn nur keimfähige Pollen sind für das Bienenvolk auch ernährungsphysiologisch interessant.

Ertragsregulierung durch gezielte Fruchtausdünnung

Mit dem Ausdünnen überzähliger Blüten oder Früchte wird versucht, beim Apfel einerseits die Qualität zu verbessern und anderseits das Auftreten von Alternanz zu verhindern, beziehungsweise eine vorhandene Alternanz zu brechen. Den größten Effekt auf die Alternanz hat eine Ausdünnung während der Blüte. Mit einem optimalen Fruchtbehang kann man den Anteil an Unter- oder Übergrößen gering halten. Das heißt: zu viele, aber auch zu wenige Früchte wirken sich negativ auf die Qualität aus. Bei zu vielen Früchten bleiben diese klein, sind weniger ausgefärbt und weniger aromatisch. Hängen zu wenige Früchte am Baum, so werden die Früchte zu groß und sind meist nicht gut haltbar.

Chemische Fruchtausdünnung

Eine frühzeitige chemische Ausdünnung beeinflusst die Blütenknospendifferenzierung positiv und erleichtert den für eine Qualitätsproduktion unerlässlichen Handausdünnungs-Aufwand. Dabei gilt es besonders zu beachten, dass wüchsige Bäume empfindlicher auf Ausdünnmittel reagieren. Außerdem sollten jüngere Anlagen bis zum vierten Standjahr vorsichtiger ausgedünnt werden. Grundsätzlich wirken die Ausdünnmittel mit hohem Wasseraufwand besser. Zusätze wie Netzmittel erhöhen die Aufnahme und somit die Wirksamkeit von Ausdünnmitteln.

Ausdünnen mit der Fadenmaschine

Neben der Anwendung verschiedener Spritzpräparate bietet die Fadenmaschine eine weitere Möglichkeit zur rationellen Blütenausdünnung. Die Fadenmaschine schlägt mit rotierenden Plastikfäden einen Teil der Blüten ab. Der optimale Einsatzzeitpunkt ist das Stadium zwischen grüner und roter Knospe bis Abblühte, später ist mit stärkeren Blatt- und Astschäden zu rechnen.

Handausdünnung

Die Handausdünnung ist die sicherste und wichtigste Maßnahme im Öko-Obstbau, um Tafelfrüchte mit hoher Qualität zu erzeugen. Da die Differenzierung der Blütenknospen meist bis Ende Juni abgeschlossen ist, müssen Maßnahmen zur Brechung der Alternanz zeitnah an der Blüte durchgeführt werden. Mit der Schere oder dem Reisigbesen können Blüten entfernt werden. Im Verlauf der Vegetation kann man mit einer gezielten Handausdünnung sorten- und anlagenabhängig eine optimale Anzahl von Früchten pro Baum einstellen. Auch Ausfärbung und Größe der Früchte lassen sich so optimieren.


Quellen:
https://www.sbb.it
https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft

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